Der Film ›Und macht euch die Erde untertan‹ dokumentiert die internationalen Proteste gegen den Ilisu-Staudamm im Südosten der Türkei. In Deutschland ist der Film seit Anfang September zu sehen.

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»Ein Paradebeispiel der Globalisierung«

Der Film ›Und macht euch die Erde untertan‹ dokumentiert die internationalen Proteste gegen den Ilisu-Staudamm im Südosten der Türkei. In Deutschland ist der Film seit Anfang September zu sehen.

»Die Stadt ist eine einmalige Kombination der Arbeit von Mensch und Natur, sie ist einzigartig!« warnt die Istanbuler Professorin Zeynep Akunkai angesichts der drohenden Überflutung der Stadt Hasankeyf im Südosten Anatoliens. Wo jetzt zahlreiche Kulturschätze von zehntausend Jahren Siedlungsgeschichte zeugen, soll bis zum Jahr 2014 der llisu-Staudamm gebaut werden. Akunkai ist eine der KritikerInnen des Staudamm-Projekts, die der österreichische Filmemacher Christoph Walder in seiner Dokumentation ›Und macht euch die Erde untertan‹ zu Wort kommen lässt. Der 60min-Film, der seit Anfang September auch in Deutschland zu sehen ist, dokumentiert die internationalen Proteste gegen den gigantischen Staudamm. Doch die Uhr tickt, denn, so Ulrich Eichelmann, Koordinator der Kampagne ›Stop Ilisu‹: »Vorbereitende Arbeiten für den Staudammbau sind bereits im Gang«.

Die türkische Regierung und das von ihr beauftragte Konsortium aus deutschen, schweizerischen und österreichischen Firmen versuchen, das Projekt mit aller Gewalt umzusetzen –auch wenn weite Teile der türkischen Öffentlichkeit dagegen sind und prominente Fürsprecher wie Mega-Star Tarkan und Regisseur Fatih Akin die Kampagne unterstützen. Mit dem Ilisu-Staudamm soll das Wasser des Tigris auf einer Fläche von 300 km² gestaut werden, um zur Stromversorgung des Landes beizutragen. Nicht nur Hasankeyfs Kulturschätze und ca. 300 archäologische Stätten würden damit in den Fluten versinken. Rund 50.000 Menschen verlieren die Existenz, wenn ihre 190 Siedlungen vom Wasser verschluckt werden. Auch in ökologischer und politischer Hinsicht ist das Projekt höchst brisant: Versalzung und Sedimente bedrohen das Trinkwasser und empfindliche Ökosysteme. Außerdem fürchten Syrien und der Irak, dass die Türkei ihren Bauern den Wasserhahn zudreht.

Eine Wende im Ringen um den Staudamm könnte der im August veröffentlichte Bericht eines Teams um den Weltbankexperten Prof. Michael Cernea bedeuten, der fesstellte, dass kaum eine der 153 Auflagen für die Finanzierung des Staudamms erfüllt wurde. Ulrich Eichelmann und seine Mitstreiter hoffen nun auf ein Umdenken der beteiligten Regierungen, denn Hasankeyf sei nicht nur in der Türkei zum Symbol für eine skrupellose Wirtschaftspolitik geworden. »Für mich ist das ein Paradebeispiel für die negativen Folgen der Globalisierung«, so Eichelmann.

Seit Juli hat die Kampagne eine neue Phase der Proteste eingeleitet, zu der auch der Film einen Beitrag leisten soll. Für Oktober hat sich auch bereits Tarkan zum erneuten Besuch in Hasankeyf angekündigt. Er wird dort ein Konzert geben, das vom 2. Programm des türkischen Staatsfernsehens TRT live übertragen wird. Bleibt abzu warten, ob es kein Abschiedskonzert wird.

Telepolis, 6.9.2008 

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