Monascript
Monascript

Geheime Gärtner

Nun ja, Regenwürmer. Selbst als Hobbygärtner vermutet man kaum, dass sich hinter den glitschigen Tieren ein spannendes Thema verbirgt. Natürlich wissen Gartenbesitzer, dass sie Nützlinge sind und versuchen, sie nicht mit Spaten oder Hacke aufzupieksen. Damit hat es sich dann auch eigentlich schon mit unserer Beziehung zum Wurm. Doch Würmer leisten bei ihrer stillen Bodenarbeit im dunklen Erdreich geradezu Unglaubliches: Auf einem einzigen Hektar leben ca. zwei Millionen von ihnen, die die Erde durchkauen, ausscheiden und sie mit wichtigen Nährstoffen anreichern.

 

Die amerikanische Autorin Amy Stewart ist durch die Anschaffung eines Wurmkompostierers auf den Wurm gekommen. Dessen einfaches Prinzip – Gemüseabfälle rein, nährstoffreicher Humus raus – faszinierte sie so sehr, dass sie zu recherchieren begann. Ebenso wie ihr erging es bereits Charles Darwin. Er beschäftigte sich Jahrzehnte seines Lebens mit ihnen und veröffentlichte ein Buch über deren Bedeutung für den Ackerbau. In aufwändigen Tests stellte er auch deren Intelligenz auf die Probe – mit verblüffendem Ergebnis! Da diese nachts an die Oberfläche kommen und Blätter, Nadeln etc. in ihre Röhren befördern, probierte er aus, ob sie diese auf geplante Weise hineinziehen oder ob das eher zufällig abläuft. Er schnipselte über 300 kleine Dreiecke, und legte sich im Garten auf die Lauer: Kaum im Bau verschwunden, holte er die Papierchen wieder hervor und stellte fest, dass über 80 % der Würmer diese an der Spitze (also auf optimale Weise) hineingezogen hatten.
Mitunter kommt einen die enorme Fülle an Fakten vielleicht ein erschlagend vor. Unbestreitbar ist dies jedoch ein unterhaltsames Sachbuch, das Respekt vermittelt für die geheimen Landschaftsgärtner, die seit Millionen von Jahren bei der Gestaltung der Erde mitwirken.

 

Amy Stewart: Der Regenwurm ist immer der Gärtner (Ü: Eva Leipprand), Oekom-Verlag 2015, 256 S., 19,95 Euro.

 

Schnüss Stadtmagazin Bonn, Januar 2016

Überaus anziehend!

Endlich mal was über Frauen und Kleider, das nichts mit Vogue, Brigitte und Co. zu tun hat! Dieses Buch ist kein selbsternannter Styleguide, der uns erklären will, warum riesige Puckbrillen jetzt doch nicht mehr scheußlich sind und was wir im nächsten Sommer anziehen sollen. Statt der ewiggleichen von der Modeindustrie forcierten Frage »Was soll Frau anziehen?« widmet sich ›Frauen und ihre Kleider‹ viel mehr der interessanten Fragestellung, warum Frauen genau das tragen, was sie tragen: Die durchgelatschten Pantoffeln, den knallrote Angora-Pullover oder das zehnte paar schwarze Schuhe, das sich wenig von den vorherigen neun unterscheidet… Mehr als 500 bekannte und unbekannte Frauen haben Leanne Shapton, Sheila Heti und Heidi Julavits zu ihrer Garderobe, ihren Anziehritualen und ihren Lieblingsstücken und vielen Aspekten mehr zum Thema Kleidung befragt. Dabei gingen sie nicht nur der Frage nach, welchen Einfluss Mütter, Männer oder Freundinnen auf den Kleidergeschmack haben, sondern auch, welches (politische) Statement Frauen womöglich mit ihrem täglichen Outfit verbinden. Herausgekommen ist keine soziologische Abhandlung, sondern ein intelligentes (Quer-)Lesebuch voller lustiger, kluger und skurriler Essays, Gedichte, Umfragen, Interviews und Fotostrecken. Wunderschön gestaltet, lesenswert – kein Wunder, dass der Titel in den USA bereits ein Bestseller ist.  

 

Leanne Shapton + Sheila heti + Heidi Julavits: Frauen und Kleider. Was wir tragen, was wir sind, (Übers. Sophie Zeitz und Britt Somann): 24,99 Euro ISBN: 978-3100022424

 

Schnüss Stadtmagazin Bonn, Dezember 2015

Ungewohnt, aber lecker

Die peruanische Küche ist bei uns noch wenig bekannt. – Vielleicht, weil einige Zutaten nicht leicht zu beschaffen sind, so etwa die mehr als 1000 Kartoffelsorten, die man dort kultiviert. Oder auch, weil bestimmte Zutaten zwar greifbar, aber nicht ganz geheuer sind, so etwa Meerschweinchen. Wer aber einmal eines der köstlichen, aromatisch-scharfen Gerichte wie das beliebte Ceviche (Marinierter roher Fisch) oder Papa a la Huancaina (Kartoffeln in scharfer Soße) probiert hat, will mehr davon.
 

Die Sehnsucht nach peruanischen Köstlichkeiten kann man nun mit einem Kochbuch stillen, das – natürlich – Ceviche heißt. Es ist schon haptisch und optisch so schön, dass man es unbedingt haben möchte. Doch auch das Innenleben der Neuerscheinung aus dem Fackelträger-Verlag hält, was das Äußere verspricht. Martin Morales, in Peru geboren und als Kind nach London ausgewandert, vereint hier die Rezepte seiner Tanten mit moderner Restaurantküche. Außerdem reichert der Koch- und Musikfan die Rezepte mit Biografischem sowie Infos aus Geschichte und Kultur Perus an, sodass auch einiges vom Leben dort vermittelt wird. Neben diversen Ceviche-Variationen präsentiert er tolle Gemüse-, Fleisch und Fischgerichte und insbesondere die Süßspeisen überraschen durch Vielfalt und Raffinesse. Manches ist aufwändig, anderes besticht durch leichte Zubereitung. – Aber alles verspricht ungewohnte Genüsse, die man mit dem Nationalgetränk Pisco abrundet.

 

Martin Morales: Ceviche. Peruanische Küche, Fackelträge Verlag 2014, 256 S., 24,95 Euro

 

Schnüss Stadtmagazin Bonn, Dezember 2014

 

 

Für den Spaß

Glaubt man der Werbung und so manchem geschäftstüchtigen Arzt, kann man mit zahlreichen (teuren) Mittelchen, enormer Vorsicht beim Essen und Trinken und einem strengen Sport-Pensum hundert Jahre alt werden. Doch wollen wir überhaupt steinalte, aber miesepetrige Asketen sein?


Dieser Frage widmet sich Christian Guht in seinem neuen Buch. Ketzerisch nimmt er darin den heutigen Gesundheitswahn unter die Lupe und stellt seine Leser vor die Wahl: Wollen sie sich jeglichen Spaß an den großen und kleinen Sünden des Lebens vorenthalten - nur, um ihn noch länger nicht zu haben …? Doch Guht, selbst Mediziner, ist kein Apostel des Müßiggangs und der Ignoranz. Augenmaß heißt seine Devise - und darauf hören, was der eigene Körper will und braucht.
Angesichts der modernen Heilslehren mit ihren Versprechen, ewig jung, schön und fit zu bleiben, vergisst man allzu oft, dass es vollkommen normal ist, mit 70 nicht mehr körperlichen Höchstleistungen zu bringen, die man mit 20 mühelos geschafft hat. Es gilt, eigene Entscheidungen zu fällen, wie viel an Präventionsmedizin man gutheißt, welchen Sport man treiben will und was man tagtäglich zu sich nimmt.


Christian Guht: Wer länger lebt, wird auch nicht jünger. Fischer Taschenbuch. 9,99 €.


Neues Deutschland 22.5.2014

Mehr als Melisse

 

»Jede Krankheit ist heilbar - aber nicht jeder Patient«. Ob die Äbtissin Hildegard von Bingen, eine der berühmtesten Persönlichkeiten im Mittelalter, dies wirklich gesagt hat, sei dahingestellt. Gewiss ist aber, dass sie und die anderen Heilkundigen ihrer Zeit davon überzeugt waren, dass gegen jedes Leid ein Kraut gewachsen sei. So machte sich die Klosterheilkunde nicht nur das Wissen der Antike zunutze, deren Werke in ihren Bibliotheken ruhten, sondern sammelte in der Praxis wichtige Erkenntnisse im Einsatz von Heilkräutern.

 

Heute werden viele ihrer Methoden und Mittel als sanfte Medizin geschätzt, die eine Synthese zwischen altem Erfahrungswissen und neuen Erkenntnissen zu Inhaltsstoffen und Wirkweisen darstellt.

Einen umfassenden Überblick zum Thema bietet die aktuelle Neuerscheinung ›Das große Buch der Klosterheilkunde‹. Darin ist der aktuelle Kenntnisstand zum Vorbeugen, Behandeln und Heilen mit Hilfe der Klostermedizin versammelt. Neben mehr als 70 Porträts der wichtigsten Heilkräuter und -pflanzen liefert das umfangreiche Werk auch präzise Rezepturen, um die Pflanzenarznei erfolgreich selbst zu Hause anwenden zu können. Darüber hinaus findet sich ein lesenswerter Überblick zur Geschichte der Klostermedizin und ihrer wichtigsten Vertreter.

 

Kilian Saum, Bernhard Uehleke, Johannes Gottfried Mayer: Das große Buch der Klosterheilkunde. Neues Wissen über die Wirkung der Heilpflanzen. Vorbeugen, behandeln und heilen, Zabert Sandmann Verlag 2013, 344 S., geb., 19,95 €.

 

URL: http://www.neues-deutschland.de/artikel/818051.mehr-als-melisse.html

 

Neues Deuschland, 9.4.2013



Hier finden Sie mich

Monascript

Mona Grosche

Wachsbleiche 29

53111 Bonn

Kontakt

 

Rufen Sie einfach an +49 228 2809642 oder nutzen Sie das Kontaktformular.

Bürozeiten: Mo - Fr 9:00-17:00

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Monascript